Das Paar verbrachte den Sommer 1940 auf einem Gut in Südengland,
auf dem auch andere Künstler lebten. Hier kam es dazu, dass die tempramentvolle
Caitlin ihrem Mann beinahe untreu wurde. Dylan, der die Vorstellung, seine
Frau sei ihm untreu geworden, nicht ertragen konnte, wurde handgreiflich
und brach zum Schluß in Tränen aus. Das Vertrauen zwischen
den Eheleuten war dahin.
Bis 1941 arbeitete Dylan Thomas regelmässig. Er schrieb Manuskripte
für Dokumentarfilme über den Krieg und war regelmäßig
im Radio zu hören. Obwohl die Ehe von Dylan von einer schweren Krise
gezeichnet war und das Paar häufig getrennter Wege ging, kam im Jahr
1943 Aeronwy Bryn zur Welt. Durch die Geburt der Tochter bekam Caitlin
einen neuen Lebensmittelpunkt und wurde so von ihren Eheproblemen abgelenkt.
Während dieser Periode in Wales schuf Dylan Thomas viele jener Gedichte,
auf denen sich sein Rüf als einer der größten Dichter
jener Zeit Gründen solllte. Das waren oftmals Gedichte in denen er
die Phantasien seiner verlorengegangenen Kindheit reflektierte. Hierzu
zählen “Poem In October” ,”In my craft or sullen
art”, ”The Conversation of Prayers”, und “Fern
Hill”, um nur die wichtigsten zu nennen. Als diese Werke 1946 in
dem Buch “Deaths And Entrances” veröffentlicht wurden,
explodierte Dylans Popularität förmlich und er wurde fortan
als Genie und bedeutendster zeitgemäßer Dichter gefeiert.
Als die Familie Thomas wieder nach London umgezogen war, setzte Dylan
seine erfolgreiche Arbeit für die BBC fort und erhielt für seine
Rundfunkarbeiten schnell die gleiche Anerkennung wie für seine Gedichte.
Dylan war überwältigt von der Aufmerksamkeit, die ihm mittlerweile
zuteil wurde und genoss sie auch durchaus, doch je berühmter er wurde,
desto stärker schottete er sich und sein Privatleben ab.
Gegen Ende von 1945, lebte die Familie Thomas weitgehend durch die Großzügigkeit
von Margaret Taylor, einer reichen Wohltäterin und Verehrerin von
Dylans Werk. Taylor's Einfluß wirkte sich jedoch ungünstig
auf die, von Problemen gezeichnete, Ehe von Caitlin und Dylan aus. Schließlich
verließen Dylan und Caitlin Margaret Taylor's Haus und zogen nach
Oxford. Nachdem ein passendes Haus gefunden war, zog auch Llewelyn, der
ab 1941 bei Caitlin's Familie lebte, wieder zurück zu seinen Eltern.
Die Familie blieb dort bis 1947.
Im April 1947 machte Dylan Thomas seine erste Auslandsreise und verbrachte
mit der ganzen Familie einige Monate in Italien. Dylan hatte aber keinen
wirklichen Spaß am Reisen und blieb meistens im Haus und verbrachte
die Zeit damit, den Cricket-Berichten im Radio zuzuhören, während
sich der Rest der Familie am Strand vergnügte. Manchmal war er aber
auch produktiv und schrieb u. a. das bekannte Gedicht “In Country
Heaven”.
Im selben Jahr kaufte Margaret Taylor der Familie Thomas ein Haus in
Süd Leigh. Doch als Dylan sechs Monate später erfuhr, dass ihr
altes Haus in Laugharne wieder frei war, wollten er sofort wieder zurück
nach Laugharne ziehen. Margaret Taylor’s Großzügigkeit
war wohl grenzenlos, denn sie kaufte Ihm prompt sein geliebtes altes Haus
zurück.
Zurück in Laugharne verfiel Thomas erneut seinen alten Routinen,
schlief lange, stand kurz vor dem Mittagessen auf, benutzte wieder seinen
alten Schuppen an der Dorfstrasse um nachmittags zu schreiben und ging
an jedem Abend zum Trinken in den Pub.
Da seine Eltern mittlerweile in ein Haus gegenüber dem Brown Hotel
gezogen waren, konnte Dylan’s Mutter immer ein Auge auf ihren Sohn
richten. So stand Florie oft am Fenster, hinter der Gardine, blickte hinunter
auf die Dorfstraße und sah ihren völlig betrunkenen Sohn, der
langsam heimwärts torkelte, manchmal auf die Nase viel und sich an
den Kirschbäumen erleichterte.
Obwohl ihr drittes Kind, Colm Garan Hirsch im Juli von 1949 geboren wurde,
waren die Konflikte zwischen Caitlin und Dylan so groß wie eh und
je und da keiner von beiden fähig war mit Geld umzugehen, machten
auch die permanenten Geldprobleme der Familie zu schaffen.
Dylan hatte oft darüber gesprochen, gern einmal die USA bereisen
zu wollen. Die Reisekosten lagen aber immer weit jenseits dessen, was
er sich hätte leisten können. Der amerikanische Lyriker John
Malcolm Brinnin hatte im Laufe der Zeit zwar schon oft den Versuch unternommen,
öffentliche Mittel oder einen Sponsoren aufzutreiben, um Dylan eine
Reise in die USA zu ermöglichen, blieb aber immer erfolglos. Als
Brinnin dann zum Leiter des Poetry Center der Young Men’s &
Women’s Hebrew Association berufen wurde, konnte er diese Reise
kraft seines Amtes organisieren. Er bot Dylan an, zwei Vortragsabende
im Poetry Center durchzuführen und bei der Organisation weiterer
Vorträge behilflich zu sein. Dylan nahm das Angebot an und betrat
am 21. Februar 1950 erstmalig amerikanischen Boden.
Gleich am ersten Tag in New York traf er zwei alte Freunde wieder, den
Schriftsteller Ruthwen Todd und den Filmemacher Len Lye. Die drei hatten
sich viel zu erzählen und einige gemeinsame Erinnerungen, in denen
sie schwelgen konnten. Besonders die Erinnerungen an die Saufgelage in
den Pubs von Soho galt es aufzufrischen.
Doch die Wiedersehensfreude blieb nicht ungetrübt. Len Lyes Frau
Jane vielen sofort die Veränderungen an Dylan auf. Sie hatte einen
dynamischen, hübschen jungen Burschen in Erinnerung und sah nun einen
aufgedunsenen Mann, mit braunen Zähnen, verfilztem Haar und ängstlichen
Blick, der an einem chronischen Husten litt. Auf die Frage seiner Freunde,
was ihm denn fehle, antwortete er, er glaube, man nennt es Leberzirrhose.
Die Veranstaltungen im Poetry Center waren ein großer Erfolg. Dylan
rezitierte neben den Werken von Yeates, Lawrence, Lewis auch eine Auswahl
eigener Texte und erntete, nicht zuletzt auch wegen seiner schauspielerischen
Qualitäten, den Beifall des Publikums. Seine nächsten Stationen
waren die Yale University und Boston. Innerhalb der ersten drei Monate
seiner Reise veranstaltete Dylan Thomas etwa 30 Lesungen und lernte unterwegs
viele Geistesverwandte kennen. Unter ihnen zählten namhafte Dichter
wie Nelson Algren, Kenneth Patchen und Lawrence Ferlinghetti.
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